Philippinen 30.5.2024

Coron 2026: Die Philippinen-Krone von Palawan

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An der Nordspitze der Provinz Palawan liegt Coron – eigentlich Teil der Calamian-Inselgruppe – mit einer Landschaft aus gezackten schwarzen Kalksteinfelsen (Karst), die vertikal aus unwahrscheinlich türkisem Wasser aufragen. 2026 ist Coron unbestritten die Hauptstadt des Wracktauchens in Südostasien und eines der ikonischsten Insel-Reiseziele der Philippinen – ein Ort, wo Geschichte in Form einer japanischen Geisterflotte unter den Wellen schläft.

Geschichte: Die Seeschlacht von Coron Bay (1944)

Am 24. September 1944 führten US-amerikanische Flugzeuge der Task Force 38 (unter Admiral Mitscher) einen Überraschungsangriff auf japanische Versorgungsschiffe durch, die sich in der Bucht von Coron versteckten. Die Japaner nutzten Coron als Versorgungspunkt für ihre Flotte – versteckt hinter den Kalksteinfelsen. In wenigen Stunden wurden etwa 24 japanische Schiffe versenkt. Heute liegen rund 10 betauchbare Wracks in der Bucht, die zu den besten Tauchplätzen Südostasiens zählen:

  • Okikawa Maru: Ein riesiger Öltanker, in den erfahrene Taucher einsteigen können.
  • Lusong Gunboat: So flach (3–5 m), dass es sogar Schnorchler sehen können.
  • Skeleton Wreck: Die Spanten des Schiffes ragen nur wenige Meter unter der Oberfläche.
  • Kogyo Maru: Reich mit Korallen bewachsen; gute Sichtweite ganzjährig.

Die Wracks sind inzwischen künstliche Riffe – vollständig von Korallen, Weichkorallen und Schwämmen überwachsen. Das Tauchen hier ist eine Kombination aus Geschichte und Ökologie.

Das Volk der Tagbanua

Die Tagbanua sind das indigene Volk, das die Gewässer und Wälder von Coron seit Jahrtausenden bewohnt. Sie gelten als eine der ältesten ethnischen Gruppen der Philippinen – ihre Vorfahren sind möglicherweise die ersten Menschen der Region. 2001 erhielten die Tagbanua das Certificate of Ancestral Domain Title (CADT) – ein rechtliches Instrument, das ihnen Souveränität über ihr angestammtes Land und ihre Gewässer gibt. Damit kontrollieren sie den Zugang zu Schlüsselorten wie dem Kayangan Lake und dem Barracuda Lake.

Die Eintrittsgebühren an diesen Orten fließen direkt in die Tagbanua-Gemeinschaft. 2026 werden Besucherbeschränkungen streng durchgesetzt – vor allem am Kayangan Lake, der von Overtourism bedroht war.

Die ikonischen Lagunen

Kayangan Lake: Tituliert als „sauberster See Asiens”. Eine kurze aber steile Wanderung führt zu einem Aussichtspunkt – dem meistfotografierten Motiv der Philippinen – mit Blick auf den See inmitten senkrechter Kalksteinklippen. Der See selbst ist ein Brackwassersystem (Mischung aus Süß- und Salzwasser) mit kristallklarer Sicht. Bootstouren buchen inklusive Eintrittsgebühr.

Twin Lagoon: Zwei Lagunen, getrennt durch eine Felswand. Bei Ebbe durchschwimmt man einen kleinen Tunnel; bei Flut klettert man über eine Leiter. Der Halocline-Effekt an der Grenze zwischen kaltem Salzwasser (unten) und warmem Süßwasser (oben) erzeugt ein flimmerndes optisches Phänomen, das unter Wasser sichtbar ist.

Barracuda Lake: Ein einzigartiges Naturphänomen – ein See mit einem durch vulkanische Aktivität erhitzten Tiefenbereich. Die Temperatur steigt in größeren Tiefen auf bis zu 38 °C. Der Halocline-Effekt ist hier noch ausgeprägter als in der Twin Lagoon.

Calauit Safari Park: Giraffen auf den Philippinen

Eines der surrealsten Erlebnisse in ganz Südostasien erwartet auf der Insel Calauit (ca. 1,5 Stunden Bootsfahrt von Coron): Ein afrikanischer Safaripark mit Giraffen, Zebras, Gazellen und Wasserbüffeln – angesiedelt auf einer philippinischen Insel. Ferdinand Marcos ließ die Tiere in den 1970ern aus Kenia importieren und die ursprünglichen Bewohner der Insel vertreiben. Die ethisch fragwürdige Geschichte ist Teil des Besuchs, den das Management heute offen thematisiert. Giraffen auf einem philippinischen Hügel – ein unvergessliches Bild.

Gastronomie und Praktisches

  • Cashews (Kasoy): Palawan ist Philippinas Cashew-Hauptstadt. Geröstete Cashews als Souvenir kaufen – billiger und frischer als irgendwo anders.
  • Lato (Seetrauben): Eine Algenart, die im Mund wie Kaviar zerplatzt, serviert mit Essig und Zwiebeln. Küstenspeise par excellence.
  • Hummer und Krabben: Im Vergleich zum Westen günstig; direkt am Hafen frisch gegrillt.
  • Coron Town Proper: Chaotisch, laut, aber der beste Ausgangspunkt für Touren und günstigste Restaurants.

Sicherheit und Tipps 2026

  • Bargeld: Geldautomaten gehen regelmäßig leer. Ausreichend Pesos mitbringen.
  • Riffsichere Sonnencreme: Essenziell zum Schutz der Korallen.
  • Quallen: Saisonal möglich – Rashguard beim Schnorcheln empfohlen.
  • Kein Gerätetauchen ohne Zertifikat: PADI/SSI oder gleichwertig. Für Anfänger gibt es vor Ort Crash-Kurse.

Coron ist prähistorische Schönheit: roh, dramatisch und zutiefst aquatisch. Ob durch den Brustkorb eines Schiffs aus dem Zweiten Weltkrieg tauchen oder in einer versteckten Lagune treiben – Coron fühlt sich an wie Abenteuer am Rande der Welt.

Maquinit Hot Springs und das Abend-Ritual

Am Südostrand von Coron Town liegt eine der wenigen Salzwasser-Thermalquellen der Welt: Maquinit Hot Springs, eingebettet in Mangrovenwälder. Das Wasser wird durch geothermische Aktivität unter dem Inselboden auf 38–40°C erwärmt. Nach einem langen Tag voller Wracks oder Lagunen ist ein Abend in diesen natürlichen Pools das perfekte Gegengewicht: die Hitze des Wassers, das Rascheln der Mangroven, der Blick auf den Sternenhimmel. Im Gegensatz zu vielen asiatischen Thermalquellen ist Maquinit kein überfüllter Touristenbetrieb – es ist wild, klein und günstig. Eintrittsgebühr und Bootsfahrt inklusive ca. 300–400 Pesos.

Barracuda Lake: Vulkanischer Thermocline

Weniger bekannt als Kayangan, aber geologisch faszinierender: Barracuda Lake ist ein Kratersee auf der Insel Coron, dessen Tiefenwasser durch hydrothermale Aktivität auf 38°C aufgeheizt wird – während die Oberfläche bei Umgebungstemperatur (ca. 28°C) bleibt. Der Halocline-Effekt (Grenze zwischen Süß- und Salzwasser) ist hier so ausgeprägt, dass er beim Tauchen als visuelles Flimmern sichtbar ist. Barracudas (daher der Name) kreisen träge in der Mittelzone. Der Lake ist nur für ausgebildete Taucher empfohlen; die Kombination aus Temperatursprung, Salinitätssprung und eingeschränkter Sicht macht die Orientierung schwierig.

Praktisches für 2026

Coron bietet 2026 dank neuer Direktflüge aus Manila und Cebu City (ca. 1 Stunde) einfachere Anreise. Die Tagbanua-Gemeinschaft hat ihre Besucheranforderungen für Kayangan Lake verschärft: nur noch 500 Besucher täglich, Buchung über autorisierte Tourbetreiber. Plastikflaschen sind auf Booten und an sensiblen Tauchplätzen verboten; Mehrwegbehälter mitbringen.

Coron bleibt auch 2026 eines der aufregendsten Reiseziele Südostasiens – roh, aquatisch und geschichtsgeladen. Frühes Buchen für Kayangan Lake ist Pflicht; die Tagbanua schützen ihren saubersten See mit Zähnen und Krallen.

Das Island Hopping in der Calamian-Gruppe – von Coron Town aus organisiert – ist eine der besten Mehrtages-Bootstouren Südostasiens. Frühzeitig buchen, Bargeld mitbringen, und staunen.

Die Wracks schlafen seit 1944 auf dem Meeresgrund. Heute wachen Korallen über sie.